Mein Tier schläft ein – oder mein Tier schläft während einer Trust-Technique-Session ein?

Auf den ersten Blick sieht beides gleich aus:

Dein Tier wird müde, legt sich hin und schläft ein.

Doch aus Sicht der Trust Technique besteht ein großer Unterschied.

(Was ist die Trust-Technique: https://einandervertrauen.de/trust-technique-achtsamkeit-mit-deinem-pferd-hund-oder-anderen-tieren/)

Fangen wir wieder mit der Skala von 0 bis 10 an

10 = Panik
0 = heilender Zustand

Befindet sich ein Tier beispielsweise auf Level 7, ist es von Unruhe, Sorgen, Anspannung oder Ängsten beeinflusst. Auf diesem Level ist Lernen, Zusammenarbeit und echte Kommunikation nur eingeschränkt möglich.

Durch die Gabe von Ruhe kann das Tier auf ein niedrigeres Level sinken – etwa auf Level 4 oder 5. Hier wird Zusammenarbeit möglich. Das Tier ist entspannter, aufnahmefähiger und kann beginnen zuzuhören.

Mit der Trust Technique können wir jedoch noch weiter gehen.

Wir können dem Tier helfen, bis auf Level 0 zu gelangen – den heilenden Zustand.

Was geschieht auf Level 0?

Viele Menschen glauben, dass Ruhe bedeutet, dass nichts passiert.

Das Gegenteil ist der Fall.

Ruhe und Unruhe können nicht gleichzeitig am selben Ort existieren. Wenn wir unserem Tier konsequent Ruhe geben, beginnt die innere Unruhe an die Oberfläche zu kommen.

Alte Spannungen, Ängste, Unsicherheiten und belastende Erfahrungen dürfen sichtbar werden und bearbeitet werden.

Genau deshalb werden viele Tiere während einer Trust-Technique-Session irgendwann sehr müde.

Aber mein Tier schläft doch auch sonst?

Natürlich.

Wenn ein Tier normal schläft, träumt es. Vielleicht hast du schon beobachtet, wie die Augen zucken, die Pfoten sich bewegen oder der Körper kleine Bewegungen macht.

Auch im normalen Schlaf verarbeitet ein Tier Erlebnisse.

Doch bei einer Trust-Technique-Session ist bereits vorher etwas Entscheidendes geschehen:

Das Tier wurde bewusst in einen Zustand tiefer Ruhe begleitet.

Die innere Unruhe wurde nicht verdrängt, sondern durfte an die Oberfläche kommen.

Wenn das Tier nun einschläft, geschieht dies innerhalb eines Prozesses des Loslassens.

Es schläft nicht einfach nur.

Es befindet sich in einem Zustand, in dem Veränderung möglich wird.

Warum stärkt das die Beziehung?

Weil du Teil dieses Prozesses bist.

Dein Tier erlebt die Ruhe nicht allein.

Es erlebt, dass du ihm hilfst, einen Zustand zu erreichen, in dem Anspannung losgelassen werden kann.

Wenn das Tier wieder aufwacht, ist dieser Prozess mit deiner Anwesenheit verbunden.

Mit jeder solchen Erfahrung wächst das Vertrauen.

Dein Tier lernt, dass es in deiner Nähe loslassen darf.

Genau darin liegt einer der größten Werte der Trust Technique:

Es verändert nicht nur den Zustand des Tieres.

Es vertieft die Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Und warum werde ich dabei selbst so müde?

Vielleicht hast du schon bemerkt, dass du während einer Trust-Technique-Session ebenfalls müde wirst.

Das ist kein Zufall.

Der gleiche Prozess, den du in deinem Tier anstößt, beginnt auch in dir.

Auch deine eigene Unruhe kommt an die Oberfläche.

Deshalb fühlen sich viele Menschen nach einer Session nicht nur ruhiger, sondern manchmal auch erstaunlich müde.

Aber das ist eine Geschichte für die Trust Technique mit Menschen.